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LANGELEBEN - Die 60-er Jahre
Die 60er Jahre wurden durch die Intensivierung des Kalten
Krieges gekennzeichnet, mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 als
ein trauriges Beispiel. Auch die Jungs in Langeleben waren
Zeugen solcher Ereignisse, zum Beispiel als man feststellte,
sowjetische Panzer bewegten sich Richtung Helmstedt, oder als
ein “feindlicher” Hubschrauber an die
Räbker Peilstation heranflog.
Jim H. erinnert sich, wie erwachsene Männer zum Weinen gebracht
wurden, als die Wehrpflichtdienstzeitverlängerung für bestimmte
Spezialisten bekannt gegeben wurde. Die allgemeine Wehrpflicht
wurde 1960 abgeschafft, der letzte Wehrpflichtige verließ
Langeleben 1963.
Die Einsatzwagen wurden durch eine Holzbaracke ersetzt, die aus
verschiedenen abgetrennten Zimmern bestand. Eins davon wurde
stoppenvoll mit elektronischen Geräten ausgestattet, genannt die
“Schweißkiste”. Nach einigen Schichtdiensten in diesem
fensterlosen Kerker gab es keine Rede von Übergewicht.
Kurierfahrten zur
US-Station in Bahrdorf (später von den
französichen Streitkräften übernommen) wurden in einem
dunkelgrünen VW-Käfer
durchgeführt. Diese Höllenfahrten wurden
durch Soldaten des Fahrdiensts durchgefuhrt, die anscheinend den
Rekord für die schnellste Fahrt zu brechen, bzw. ihre Dienstzeit
vorzeitig durch Tod zu beenden versuchten. In der Tat ist keine
dadurch zu Schaden gekommen, ein Lob an die Fahrkünste der Jungs.
Vielleicht war der Höhepunkt der 60er der lang-überfällige Bau
der modernen Unterkünfte. 1963-64 wurde für das 2. Schwadron des
Fernmelderegiments 13. das sog.
“Neue Lager” gebaut. Die neuen
Unterkünfte waren ein Vorzeigeobjekt, von dem können auch heute
noch manche Soldaten träumen. Es war vielleicht die schönste
Kaserne der Britischen Rheinarmee. Jedes Haus für die ledigen
Soldaten bestand aus vier Stuben á vier Soldaten, sechs
Einzelzimmer für die Unteroffiziere, Duschen und Toiletten. Das
einzige zweistöckige Gebäude war für die Offiziere bzw.
Unteroffiziere mit Portepée bestimmt. Hier befanden sich
getrennte Unterkünfte, nur aus Einzelzimmern und separaten
Speisesälen mit einer gemeinsamen Küche. Das neue Soldatenheim
war hell und geräumig, mit Bar, Imbiss-Stube und
Unterhaltungsräumen. Auch eine gut-ausgerüstete Turnhalle wurde
gebaut. Das Stabsgebäude war in einem geräumigen
Einzelstockwerk-Gebäude untergebracht. An der Ecke, mit Blick
über das Lager stand das Büro des Kompaniefeldwebels. Mitten im
Lager befand sich eine Zisterne, die unverzüglich in ein
Schwimmbecken umgewandelt wurde, was nicht nur im Sommer höchste
Popularität genoss, sondern auch bei Abschieds- oder
Gebürtstagsfeiern oder Grillabenden. Die leeren Plätze wurden
landschaftlich mit Rasen oder Blumenbeeten verschönert.
Das Lager erhielt die amtliche Bezeichnung als “Anderson
Barracks”, benannt nach dem amtierenden General der
Fernmeldetruppen der Rheinarmee, Generalmajor Anderson. Trotz
des ofiziellen Namens, wurde das Lager meistens entweder nur
“Langeleben Camp” oder “Langy” von den Soldaten genannt.
In 1967 wurde Fernmelderegiment 13 (13th Signal Regiment)
reorganisiert. Das 2. Schwadron in Langeleben wurde aufgelöst.
Die Soldaten durften entweder zum Regimentshauptquartier nahe
Mönchengladbach zurück, zum Fernmeldeschwadron 223 (223 Signal
Squadron) nach Winchester/England versetzt werden oder in
Langeleben mit der neuen Einheit bleiben. Das war
Fernmeldeschwadron 225 (225 Signal Squadron) aus Scharfoldendorf
im Weserbergland. Das 225. war die mobile EloKa-Einheit des 1.
Britischen Corps. Diese Einheit übernahm die stationäre Aufgabe
in Langeleben, und behielt dabei die mobile Rolle.
Da in Langeleben Garagen knapp waren, wurden die Fahrzeuge beim
Panzeraufklärungsbataillon in Wolfenbüttel untergebracht. Zu
dieser Zeit war es die “Queens Royal Irish Hussars”, ein
traditionsreiches altehrwürdiges Kavallerie-Regiment. Die
Kavalleristen waren stets neugierig auf die komischen
Fernmeldesoldaten.
Das 225. brachte viele Dinge mit. Das bestbekannte Stück war die
“Scharfoldendorf-Glocke”. Früher stand diese vor der Wache in
Scharfoldendorf, dann vor dem Offiziersheim in Langeleben. Sein
blankes helles Aussehen verdankt sie der Strafarbeit von vielen
Soldaten. Auch ein Maskottchen, ein Moufflon-Schaf namens
“Trotsky” kam mit und wurde im Stall des Antennenfeldes
untergebracht.
© John Richardson 2008
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